V wie Vampire (und wie vegan)
Vegane Halloween-Süßigkeiten 2026 – inkl. Soundtrack für eure Gruselnacht!

Es klingelt. Vor der Tür stehen ein kleines Gespenst mit verrutschtem Bettlaken und ein Dinosaurier, der mit Halloween eigentlich nichts zu tun hat, aber sehr überzeugt guckt. Ihr greift in die Schüssel, die ihr am Nachmittag noch schnell gefüllt habt, und genau in diesem Moment fällt euer Blick auf die Rückseite der Tüte. Gelatine. Die kleinen Hände sind schon ausgestreckt.
Damit euch das am 31. Oktober nicht passiert, habe ich mich durch Zutatenlisten und die Fragenkataloge der Hersteller gelesen, bis mir die E-Nummern im Traum erschienen sind. Vorweg die gute Nachricht. Vegane Halloween-Süßigkeiten findet ihr inzwischen in fast jedem Supermarkt, ihr müsst nur wissen, wo ihr hinschaut. Und weil eine Gruselnacht ohne Musik nur halb so schön ist, gibt es danach meinen Soundtrack für den Abend, mit Künstler*innen, die mich durch dieses Jahr begleitet haben.
Warum so viele Süßigkeiten nicht vegan sind
Der wohl bekannteste Übeltäter steckt im Fruchtgummi. Gelatine ist ein tierisches Eiweiß, das aus dem kollagenhaltigen Gewebe von Schweinen oder Rindern gewonnen wird und Gummibärchen ihre zähe, kaubare Konsistenz gibt 1. Weniger bekannt ist das leuchtende Rot mancher Süßigkeiten. Der Farbstoff "Echtes Karmin" mit der Nummer E 120 wird aus Schildläusen gewonnen, und Hersteller müssen bei Zusatzstoffen und Aromen bisher nicht angeben, ob sie tierischen Ursprungs sind 2. Dort steht auch, dass die Kennzeichnung "vegan" freiwillig ist. Mit dem V-Label ausgezeichnete vegane Produkte dürfen dagegen weder Zutaten noch Verarbeitungshilfsstoffe aus tierischen Bestandteilen enthalten.
Der dritte Klassiker ist der Glanz. Dragees und Schokolinsen schimmern oft dank Schellack (E 904), einem Sekret der Lackschildlaus, oder dank Bienenwachs (E 901) 3. Wenn ihr also im Supermarkt mit der Handytaschenlampe auf eine Tüte leuchtet und dabei aussieht wie jemand, der etwas Verbotenes vorhat, seid ihr in bester Gesellschaft.
Vegane Gummibärchen und Fruchtgummis von Haribo
Bei Haribo lohnt sich der Blick auf das gelbe V-Label, denn dort gibt es zwei Varianten. "Vegetarisch" bedeutet bei Haribo nur, dass keine Gelatine enthalten ist. "Vegan" heißt zusätzlich, dass weder Milch- und Joghurtbestandteile noch Bienenwachs drin sind 4. Wer vegan einkauft, achtet also auf das Wort unter dem V.
Im Onlineshop sind unter anderem "Pasta Frutta", "Super Wummis Sauer", "Rainbow Sauer", "Pixel Sauer", "Super Gurken" und die "Jelly Beans" als vegan gekennzeichnet 5. Ausgerechnet die Tüte "Vampire" trägt in der Gesamtübersicht weder das vegane noch das vegetarische Kennzeichen / 6Die Vampire bleiben also bei ihrer alten Ernährung, und ich lasse sie im Regal liegen.
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Ein kleiner Stolperstein für die Haustürschüssel ist der Minibeutel-Mix "Knallbunt". Haribo bewirbt ihn als vegetarisch und vegan, darin stecken neben "Pasta Frutta"-Minis aber auch "Bunte Tüte"-Minis und "Balla-Balla"-Minis 7. "Bunte Tüte" und "Balla-Balla" führt Haribo in seiner Veggie-Übersicht nur als vegetarisch. Prüft die einzelnen Tütchen also lieber, bevor ihr den ganzen Beutel als vegan verteilt.
Katjes und hitschies für alle, die es sauer mögen
Bei Katjes müsst ihr kaum noch suchen. Laut Hersteller ist im Fruchtgummi- und Lakritzsortiment alles vegan, mit einer einzigen Ausnahme, den "Yoghurt Gums", die Magermilchjoghurtpulver enthalten 7. Ob ihr zu "Grün-Ohr Hase", "Wunderland" oder den Lakritz-Klassikern greift, ist also reine Geschmackssache.
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Mein heimlicher Favorit für Halloween kommt von hitschies. Die "Sauren Spinnenbeine" gibt es gerade als limitierte "Mystery Edition", und sie stehen genauso in der veganen Kategorie des Herstellers wie die "Sauren Drachenzungen brizzl Bälle" 8. Saure Spinnenbeine, die nichts mit Spinnen zu tun haben, sind für mich das ehrlichste Halloween-Kostüm, das ein Fruchtgummi tragen kann.
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Vegane Kaubonbons und Schokolade
Ein Klassiker, der viele überrascht, ist nimm2. Der Hersteller nennt "nimm2 soft", "nimm2 soft Brause" und "nimm2 soft +Cola" sowie die Lachgummi-Sorten "Märchenprinzen", "Mümmelbande" und "SauerStars" und den "nimm2 Lolly" vegan, auch über alle Produktions- und Verarbeitungsstufen hinweg 9. Die soft-Bonbons sind einzeln gewickelt und damit wie gemacht für die Schüssel an der Tür.
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Bei Schokolade wird es kniffliger, weil hier oft Milchpulver drinsteckt. Ritter Sport bietet aktuell sechs vegane Sorten an, am beliebtesten ist "Roasted Peanut", neu in diesem Jahr ist "Tropical Coconut" 10. "Marzipan", "Halbbitter" und die dunklen Sorten sind von den Zutaten her ebenfalls vegan, werden aber auf Linien hergestellt, die auch Milch verarbeiten, und können deshalb Spuren davon enthalten. Für viele Veganer*innen ist das in Ordnung, weil Milch nicht zur Rezeptur gehört. Wenn bei euch Kinder mit Milchallergie klingeln könnten, greift ihr aber besser zu den ausdrücklich veganen Tafeln.
Tipps für eure Halloween-Schüssel an der Haustür
Einzeln verpackte Kleinigkeiten sind an Halloween Gold wert, weil Eltern lose Süßigkeiten oft wieder einsammeln. Wenn ihr auf Zucker verzichten wollt, malt ihr mit einem schwarzen Stift Gesichter auf Mandarinen, und schon habt ihr kleine Kürbisse, eine Idee, die ich bei der Veganen Gesellschaft Österreich gefunden habe 11. Und der geschnitzte Kürbis vor eurer Tür muss nicht im Biomüll enden. Das Fruchtfleisch, das ihr beim Aushöhlen herauskratzt, wird mit Ingwer und Kokosmilch zu einer Suppe, die nach so einem Abend wunderbar wärmt.
Mein Soundtrack für die Gruselnacht
Und jetzt zum schönsten Teil. Die folgenden Songs und Alben haben mich in diesem Jahr begleitet, und alle haben etwas Dunkles, Unheimliches oder Wütendes an sich, das perfekt in eine Oktobernacht passt. Ein paar davon sind laut, sehr laut. Ich sage es euch rechtzeitig.
Bestial Mouths - "Conjure"
Lynette Cerezo und Bestial Mouths aus San Francisco haben am 4. September ihr Album "Dead Lines (Lineas Muertes)" veröffentlicht, acht Songs zwischen Goth, Industrial und Darkwave. "Conjure" heißt übersetzt "beschwören", und genau so klingt der Song für mich, wie ein Ritual bei Kerzenlicht, bei dem niemand so genau weiß, was gleich durch die Tür kommt. Wer danach weiterhört, landet bei "Chord" und der Zeile "I am the weaver / Weaving the thread of life / A tapestry of doom" ("Ich bin die Weberin, die den Faden des Lebens webt, einen Wandteppich des Untergangs"). Gänsehaut ist garantiert.
Interview mit Bestial Mouths Sängerin Lynette jetzt lesen!
Bratakus - "Final Girls"
Als "Final Girl" bezeichnet man in Horrorfilmen die junge Frau, die am Ende als Einzige überlebt und dem Monster die Stirn bietet. Das schottische Punk-Duo Bratakus hat diesem Motiv auf seinem Album "Haggridden" einen eigenen Song gewidmet. Ich finde, es gibt kaum einen besseren Moment für diesen Titel als die Nacht, in der überall Slasher-Filme laufen. Und wer Bratakus noch nicht kennt, sollte auch "Real Men Don't Eat Meat" eine Chance geben.
Sangham - "Our Vain Pleasure"
Die französische Metalband Sangham um Sängerin Christelle Meunier hat im Mai "Our Vain Pleasure" veröffentlicht. Song und Video begleiten ein ausgebeutetes Lebewesen von der Geburt bis zur Schlachtung, und der Gesang wechselt dabei zwischen klaren und verzerrten Passagen. Das ist der Moment im Soundtrack, an dem der Grusel echt wird, denn diese Geschichte spielt jeden Tag, auch ohne Kostüm.
Interview mit Sangham Gründerin Christelle jetzt lesen!
Avi Engel - "Seedhead"
Für die ruhigere Stunde nach Mitternacht gehört "Seedhead" von Avi Engel auf den Plattenteller. Avi beschreibt das Album als Liederzyklus, halb Öko-Horror, halb spirituelle Meditation, und zwischen Stimme und viersaitiger E-Gitarre singen Vögel und Frösche im Chor. Das klingt nach einem Moor im Nebel, in dem ihr nicht allein seid, euch aber auch nicht fürchten müsst. Wer Avi besser kennenlernen möchte, findet mein Interview hier auf Sounds Vegan.
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Pam Risourié - "I'll Never Be Human"
Der Titel allein passt schon zu Halloween. Pam Risourié verbinden Shoegaze, Post-Rock und Slowcore, und ihr zweites Album "I'll Never Be Human" ist am 18. September erschienen. Zur Veröffentlichung hat die Band ihre gesamte Musik von Spotify genommen, ihr findet sie also auf Bandcamp. Ich habe die Band schon zu ihrem Debüt "days of distortion" lieben gelernt. Ihre Gitarrenwände legen sich auch diesmal über alles wie Nebel über ein Stoppelfeld im Oktober.
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TO THE GRAVE - "Terrorfire"
Achtung, dieser Song kann euch die Kürbislaterne vom Fensterbrett pusten. Die vegane Deathcore-Band TO THE GRAVE aus Sydney hat am 2. Oktober ihr Album "Liberation Front" veröffentlicht, das mit "Meat The Humans" und Schrotflintenschüssen beginnt. Ich empfehle euch trotzdem zuerst "Terrorfire", denn dort wird es zum ersten Mal ruhiger. Über düsterem Post-Metal läuft ein gesprochenes Sample über Schlachthöfe, und dieser Moment trifft härter als jeder Blastbeat. Wer danach noch steht, bleibt für "The World Is A Slaughterhouse".
To The Grave kämpfen für die Befreiung von Tieren. Lernt sie jetzt im Interview auf Sounds Vegan kennen!
Häufige Fragen zu veganen Halloween-Süßigkeiten
Sind Gummibärchen vegan?
Klassische Gummibärchen enthalten meistens Gelatine und sind damit nicht einmal vegetarisch. Vegane Fruchtgummis nutzen stattdessen pflanzliche Geliermittel wie Pektin, Stärke oder Agar-Agar. Bei Haribo erkennt ihr sie am V-Label mit dem Zusatz "vegan", bei Katjes ist fast das gesamte Sortiment vegan.
Was bedeutet "vegetarisch" bei Haribo?
Bei Haribo heißt "vegetarisch", dass keine Gelatine enthalten ist. Milchbestandteile oder Bienenwachs können trotzdem drin sein. Achtet deshalb auf das Wort "vegan" unter dem gelben V.
Ist Schokolade mit dem Hinweis "kann Spuren von Milch enthalten" vegan?
Wenn Milch nicht in der Zutatenliste steht, gehört sie nicht zur Rezeptur. Der Hinweis bedeutet nur, dass auf derselben Anlage auch Milchprodukte verarbeitet werden. Die meisten Veganer*innen essen solche Schokolade, für Menschen mit Milchallergie ist sie aber nicht geeignet.
Fazit: Veganes Trick or Treat funktioniert!
Ein veganes Halloween ist heute viel einfacher, als es vor ein paar Jahren noch war. Viele Fruchtgummis in den Supermarktregalen kommen ohne Gelatine aus, und die Hersteller kennzeichnen sie inzwischen deutlich. Etwas Detektivarbeit bleibt, vor allem bei roten Farbstoffen und gemischten Minibeuteln. Wenn ihr einmal wisst, worauf ihr achten müsst, geht der Blick auf die Rückseite aber ganz schnell, und die kleinen Gespenster an eurer Tür bekommen etwas, das niemandem wehgetan hat. Die gruseligsten Zutaten stehen im Kleingedruckten. Die schönste Gänsehaut kommt aus den Lautsprechern.
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