To The Grave: Mit Deathcore für die Befreiung von Tieren
"Go vegan! Hört auf, für den Mord an Tieren zu bezahlen. So einfach ist das!"

To The Grave nennen sich stolz die weltweit führende vegane Deathcore-Band. Seit seiner Gründung 2010 in Sydney macht das Quintett aus einem der brachialsten Deathcore-Sounds überhaupt ein kompromissloses Sprachrohr für Tierbefreiung und Umweltaktivismus. Am 2. Oktober erscheint ihr fünftes Album "Liberation Front". Die Platte ist ihre erste auf BLKIIBLK Records und ihre Texte knallen genauso hart wie ihr Sound. Die Band nimmt ihre Zuhörer*innen in den Schwitzkasten und zwingt sie, sich schonungslos ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, was zur Hölle mit der Menschheit los ist. Ich habe Bassist Matt Clarke an einem seiner seltenen freien Tage während der laufenden Australien-Tour der Band erwischt. Wir haben über Konfrontation als Strategie gesprochen, über Konzerte in feindseligem Umfeld, über die Shrimp-Industrie, über ein Bühnenbanner mit der Aufschrift "KILL YOUR LOCAL ANIMAL ABUSER" und darüber, warum das alles für To The Grave keine Metapher ist.
Wenn ihr nicht bis zum 2. Oktober warten wollt, habe ich gute Nachrichten für euch: Vier Songs von "Liberation Front" könnt ihr schon jetzt hören. Den Anfang machte am 10. Juni 2026 die Lead-Single "Eyestalk Ablations", benannt nach einer Praxis aus der Shrimp-Industrie, bei der den Tieren die Augen abgeschnitten werden, damit sie sich schneller vermehren. Am 8. Juli folgte das Stück "Nail Mary", das davon handelt, wie Religion und Gott benutzt werden, um Grausamkeit an Tieren zu rechtfertigen und sich Herrschaft über sie anzumaßen.
Mit "Torture Porn" schoben To The Grave am 5. August die dritte Single nach. Sie ist laut Frontmann Dane Evans der vielleicht kompromissloseste "Fight Riff"-Song der Band und eine klare Ansage an Menschen, die etwas gegen To The Grave haben. Anfang September erschien dann, pünktlich zum Start der australischen "Nail Australia To The Walls" Tour, die vierte Single "Life Among The Septics". Ich habe euch die Songs unter dem Interview mit eingebaut, doch jetzt erstmal viel Freude beim Lesen.
Anne: Hi! Wie geht es dir? Wie war dein Tag bisher? Es ist so schön, dich endlich persönlich kennenzulernen!
Matt: Mir geht's super, danke! Wir haben heute einen freien Tag mitten in unserer Australien-Tour, also plaudere ich mit dir, während ich ein bisschen Zeit mit meinen Katzen verbringe.
Anne: "Liberation Front" ist euer fünftes Album, aber euer erstes für BLKIIBLK. Es behält, in euren eigenen Worten ausgedrückt, die Direktheit von "Everyone's a Murderer" bei, holt aber gleichzeitig mehr von euren früheren Platten zurück. Was hat sich beim Schreiben oder Aufnehmen verändert, um diese Balance hinzubekommen?
Matt: Das war eine bewusste Entscheidung, mit der wir ins Songwriting für LF gegangen sind. Wir wollten mehr von den technischen Elementen der älteren Platten reinbringen und dabei die Bewegung beibehalten, die wir mit EAM aufgebaut hatten. Diesmal sollte alles so viel Wucht wie möglich haben. Wenn ein Part heavy war, dann musste er das Heaviest sein, das wir hinkriegen; schnell musste schneller sein als je zuvor; genauso alles Langsame oder Eingängige. Alles musste auf 100 Prozent gedreht werden.
"Wir brauchen Aktion und Veränderung statt nur Lärm über Missbrauch von Tieren"

Anne: Dane meinte ja, der ganze Sinn der Band sei, dass "99 Prozent der Leute am Arsch sind." Glaubst du nach all den Jahren, in denen ihr das rausschreit, noch, dass es zumindest ein paar Menschen gibt, die wir erreichen können? Oder ist das gar nicht mehr der Punkt?
Matt: Wir glauben absolut noch daran, dass die Botschaft Menschen erreichen kann. Genau das ist der Sinn und war es immer: Aktion und Veränderung, nicht bloß Lärm über den Missbrauch machen, den Tiere erleiden.
Anne: Du hast gesagt:
"Das Album ist schnell und ganz natürlich entstanden, sobald wir geschnallt hatten, bei welchen Songs das Publikum am heftigsten abgeht."
Habt ihr euch dieses Album quasi live erspielt?
Matt: Es hat uns gezeigt, was wir nicht tun sollten! Genau das hat den direkteren Sound von Director's Cuts und Everyone's A Murderer im Vergleich zu "Epilogue" inspiriert. Vieles auf "Epilogue" macht Spaß beim Hören, aber live gespielt hat sich niemand bewegt. Weder wir beim Spielen noch die Leute im Publikum. Also haben wir auf den nächsten Alben darauf geachtet, was live beim Publikum ankommt, und versucht, diese Vibes mit ein paar technischeren musikalischen Elementen zu verbinden. Wir haben ein paar der Songs auf dieser Australien-Tour gespielt, und sie verdienen sich definitiv ihren Platz im Set.
Anne: Mit "Nail Mary" nehmt ihr Religion direkt ins Visier, die benutzt wird, um Grausamkeit an Tieren zu rechtfertigen. Wie geht ihr das an, ohne jeden gläubigen Menschen abzuschreiben, der eigentlich auf eurer Seite sein könnte?
Matt: Wenn wir uns zu viele Sorgen darüber machen würden, dass wir Leute vor den Kopf stoßen, die sich von unserer Botschaft beleidigt fühlen könnten, dann würden wir, glaube ich, das Konfrontative verlieren, das die Leute überhaupt erst aufmerksam werden lässt. Es gibt keine sichere oder angenehme Art zu beschreiben, was Tieren jeden Tag angetan wird; wenn Leute sich beleidigt fühlen, dann ist es an ihnen, sich das anzusehen und über ihren eigenen Beitrag zu diesem Leid nachzudenken.
"Das Vegan Campout war ein Heimspiel, aber buchstäblich jede andere Show findet in einem feindlichen Umfeld statt"
Anne: Im Kern ist To The Grave ein Vehikel für euren Aktivismus. Ihr sagt aber auch, ihr parkt dieses Vehikel gern an unbequemen Orten, statt einfach nur auf Veganfestivals zu spielen. Was war der unangenehmste oder feindseligste Raum, in den ihr diese Botschaft geschleppt habt?
Matt: Es ist sehr einfach, für "das Heimteam" zu spielen. Das Vegan Campout war ziemlich überwältigend für uns. In diesem Umfeld mit all diesen ähnlich mitfühlenden Menschen zu sein. Es war aber auch eher eine Erleichterung und eine Show "für uns" am Ende dieser Europa-/UK-Tour. Eine Gelegenheit, sich zu entspannen und die sichere Umgebung zu genießen, nicht, dass unser Set an dem Tag softer gewesen wäre oder so.
Buchstäblich jede andere Show findet in einem feindseligen Umfeld statt. Ich kann die Veganer in anderen Bands, mit denen wir getourt sind, an einer Hand abzählen (außer unseren militanten Freunden von Bloodmouth, die wir auf dieser Australien-Tour mitgenommen haben). Der ganze Sinn ist, Menschen mit dem Leid zu konfrontieren, das Tiere erfahren, und sie herauszufordern, über ihren eigenen Beitrag dazu nachzudenken – und sie hoffentlich zum Umdenken zu bewegen.
Das amerikanische Publikum ist gegenüber der Botschaft vielleicht am reserviertesten, aber da haben wir auch unsere größte Fanbase, also ist es nicht allzu viel schlimmer.
Anne: "Eyestalk Ablations" habt ihr nach der Tatsache benannt, dass man Shrimps die Augen abschneidet, damit sie sich schneller vermehren. Ich bin sicher, viele Leute haben von dieser Tatsache noch nie etwas gehört. Wie viel davon ist Schocktherapie und wie viel ist einfach, die Leute dazu zu bringen, auf etwas zu schauen, von dem sie lieber nichts wüssten?
Matt: Diese beiden Dinge gehören zusammen. Wir wollen die Leute schockieren und ihre Aufmerksamkeit auf diese Praktiken lenken, damit sie verstehen, wie barbarisch manches davon ist. Wir können die Aufmerksamkeit der Leute mit obskuren Begriffen einfangen, die benutzt werden, um diese Grausamkeit zu verschleiern; genauso ist es damit, dass wir für das Album-Artwork wieder echte Schlachthausfotos verwenden. Es ist alles wirklich furchtbar und verstörend und es passiert wirklich. Es ist bewusst schockierend und konfrontativ, damit es in den Köpfen der Leute hängen bleibt.
Anne: Bei dem One-Take-Video mit der Schrotflinte wäre beinahe die Polizei aufgekreuzt. War der Beinahe-Zwischenfall es rückblickend betrachtet wert? Wo verläuft für dich die Grenze zwischen einem Stunt und dem Punkt, der wirklich sitzt?
Matt: Im Moment selbst war das ein bisschen beunruhigend. Waffen sind hier sehr streng reguliert, also hätten wir ein paar Probleme kriegen können, wenn die Polizei am Set aufgetaucht wäre. Aber wir haben an einem gemieteten Ort gedreht, hatten also die Erlaubnis, da zu sein; es hätte nur ein bisschen schnelles Reden gebraucht, um die Sache zu glätten. Und vielleicht wären Bußgelder dabei rausgekommen. Rückblickend bin ich ein bisschen enttäuscht, dass sie nicht aufgetaucht sind; das wäre cooles Behind-the-Scenes-Material gewesen, hoffentlich von mir und dem Regisseur, wie wir mit den Cops reden!
Anne: Songtitel wie "Calf Slicer," "Limb from Lamb" und "Torture Porn" sind bewusst kompromisslos. Wie findet ihr heraus, wie weit ihr mit dem Gore gehen könnt, bevor die Botschaft darin untergeht?
Matt: Das ist ein bisschen wie das, was ich über die schockierenden Bilder und die Terminologie gesagt habe. Die Dinge ins Extreme zu treiben, ist der Sinn der Botschaft. Wir reden in unseren Songs nicht über Angenehmes, also wird es allein schon durch die Natur der Themen, über die wir reden, immer kompromisslos sein. Außerdem sind wir in einem Genre, das auf drastischen Bildern aufbaut; wir nehmen das einfach und wenden es auf ein reales Problem an, das zählt. Es geht also definitiv nicht um Gore.
Anne: Ihr bezeichnet euch selbst als die weltweit führende vegane Deathcore-Band. Ist dieses Etikett ein bisschen Ansage, eine Verantwortung oder manchmal einfach eine Schublade, die der Musik im Weg steht?
Matt: Da ist definitiv ein bisschen Bravour und Angeberei dabei, bei diesem Etikett. Es ist eine weitere Möglichkeit, die Leute über die Band und die Botschaft reden zu lassen. Ich finde es aber auch nicht falsch. Es gibt jede Menge andere vegane Bands und Musiker, viele davon deutlich erfolgreicher als wir, aber nicht viele nutzen ihre Musik ausschließlich als Vehikel, um für die Tiere zu sprechen.
"Es werden immer wieder Leute wegen uns vegan"
Anne: Wie bei vielen veganen Bands kommt ein großer Teil eures Publikums wegen der Breakdowns, nicht wegen der Politik. Was passiert, wenn ein Besucher, der wegen der Härte gekommen ist, auf dem Weg nach draußen die Tierrechtsbotschaft abbekommt?
Matt: Die bekommen die Tierrechtsbotschaft von der Sekunde an ab, in der wir die Bühne betreten. Sogar schon ein bisschen früher, denn auf unserem neuen Bühnenbanner steht einfach KILL YOUR LOCAL ANIMAL ABUSER mit einem winzigen TTG-Logo drauf. Sobald das also hochgeht, wissen die Leute, die zuschauen, worum es uns geht, und wissen, dass wir bei der Botschaft keinen Scheiß bauen.
Anne: Gab es Momente, in denen Leute erzählt haben, dass sie wegen euch vegan geworden sind oder ihr Verhalten grundlegend überdacht haben? Gibt es da Situationen, die sich in dein Gedächtnis eingebrannt haben?
Matt: Das passiert tatsächlich oft. Bei fast jeder Show kommen Leute auf uns zu, die wegen unserer Band-Botschaft vegan geworden sind. Das ist großartig. Genau aus diesem Grund machen wir das. Jeder Mensch, der diese Veränderung vollzieht, bedeutet ein bisschen weniger Nachfrage nach Grausamkeit und Mord und ein paar weniger Tiere, die sinnlos getötet werden.
Wir sind da auch alle mal gewesen; niemand in der Band ist vegan aufgewachsen, also tragen wir alle unsere Schuld mit uns. Aber das bedeutet auch , dass wir im Gespräch mit Leuten wirklich einen Draht zu ihnen finden. Wir haben uns alle für die Veränderung entschieden, also können wir darüber sprechen, wie herausfordernd das anfangs erscheinen kann.
Anne: Eure aktuellen Tour-Lineups sind die härtesten, die ihr je zusammengestellt habt. Du hast gesagt, diese Songs handeln von Befreiung "mit allen notwendigen Mitteln," und ihr nehmt Fleischesser auf euren Platten kein bisschen in Schutz. Wie passt das damit zusammen, jede Nacht Van und Backstage mit Bands zu teilen, die nicht vegan sind?
Matt: Das ist definitiv eine Herausforderung. Viele der Bands, mit denen wir getourt sind, sind wunderbare Leute zum Abhängen. Man verbringt bei jeder Tour einen Monat oder länger miteinander, also findet man einen Draht und wird Freunde. Ich bin von ihren Entscheidungen ehrlich gesagt trotzdem enttäuscht, und ich bin sicher, sie müssten sich lieber nicht mit diesen Themen befassen, die wir aufbringen. Aber das müssen sie mit sich selbst ausmachen.
Praktisch gesehen bleiben wir für unsere Mahlzeiten so weit wie möglich unter uns. Wenn wir einen eigenen Backstage-Raum und Rider bekommen, versuchen wir sicherzustellen, dass die Venues keine Tierprodukte reinbringen. Und wir versuchen immer, alle anderen Veganer auf den Touren mit einzubeziehen und ihnen das Gefühl zu geben, willkommen bei uns zu sein. Wir tauschen, wo wir können, überall Tipps für coole Orte zum Essen aus.
Anne: Deathcore lebt von Wut und Katharsis. Glaubst du, dass extreme Musik ein ehrlicheres Ventil für Wut über Ungerechtigkeit ist als sanftere Sachen? Wirkt Aktivismus in diesem Genre einfach anders?
Matt: Extreme Musik lebt irgendwie davon, ein Ventil für Aggression zu sein. Ich glaube, diese Genres ziehen Menschen an, die wütend sind. Ob nun einfach über den allgemeinen Zustand der Gesellschaft oder über konkrete Themen, wie wir sie ansprechen. Man hat also diese Tradition der Wut, die im Genre steckt, und viel politisches und soziales Bewusstsein, das im Deathcore verankert ist; das ist wahrscheinlich das Beste, was aus dem Hardcore ins Genre übergeschwappt ist.
Anne: Wenn jemand "Liberation Front" hört und danach eine einzige Sache in seinem Leben ändert, welche sollte es sein?
Matt: Werdet vegan. Hört auf, für den Mord an Tieren zu bezahlen. So einfach ist das.
"'Until every cage is empty' ist nicht bloß ein Autoaufkleber, weißt du?"
Anne: Über die Platte hinaus: Wie sieht echter Fortschritt für Tiere in den nächsten Jahren für dich aus, und was soll eine Band wie To The Grave dabei tun?
Matt: Wir sehen langsame Trends mit mehr veganen Optionen als je zuvor, mehr Fokus auf Tierwohl und darauf, unnötige Grausamkeit zu beenden. Es ist eine langsame Veränderung, aber sie findet statt. Es ist spannend, das Bewusstsein dafür weiter voranzutreiben und die Leute damit zu konfrontieren. Das wird nicht aufhören. "Until every cage is empty" ist nicht bloß ein Autoaufkleber, weißt du?
Anne: Euer Branding nutzt die Skimaske, die viele Befreiungsfronten trugen, um ihre Identität zu verbergen. Ihr habt euch jedoch dazu entschieden, eure echten Namen und Gesichter ganz nach vorn zu stellen. Wie kam es dazu? Andere halten sich da ja doch eher bedeckt.
Matt: Dass wir unsere Gesichter zeigen, kam eigentlich vor der Skimaske im Branding, insofern ist das eine interessante Frage. Ich glaube, dass wir identifizierbar und ansprechbar sind, hilft den Leuten, sich mit dem zu verbinden, was wir sagen. Wir sind bei unseren Shows so präsent; wir wollen bei jeder Gelegenheit mit den Fans reden, und ich glaube, das hilft, unsere Botschaft menschlicher und verdaulicher zu machen. Aber vielleicht auch schwerer zu ignorieren?
Es ist nicht einfach irgendein gesichtsloser Typ, der Leute anschreit; es ist Dane. Es ist nicht irgendein zufälliges Crew-Mitglied, das dir nach dem Set ein Shirt verkauft und dir sagt, du sollst überdenken, was auf deinem Teller liegt; es sind Nic und ich. Die Leute bei den Shows müssen sich mit uns auseinandersetzen und mit der Botschaft auf einer persönlichen Ebene, und das gibt ihr eine gewisse Wucht.
Anne: Dane meinte mal:
"Das Medium sei nicht nur die Botschaft, sondern eine Waffe."
Denkt ihr beim Schreiben eher wie Songwriter oder eher wie Menschen, die etwas bauen, um andere Menschen damit zu treffen?
Matt: Da ist diese Balance. Die Botschaft ist in unserem Prozess immer präsent, also ist sie definitiv ein Faktor; wir haben viel Hin und Her darüber, dass Parts etwas Bestimmtes unterstützen oder dazu passen müssen. Das, was Dane sagen will, oder wie er etwas rüberbringen möchte. Manchmal sind die Lyrics schon da, und wir arbeiten drumherum, und genauso oft haben wir die Riffs und die musikalische Struktur und müssen eine Vocal-Phrasierung darum herum bauen.
Anne: Ihr habt ein echtes Händchen für Titel, die alltägliche Redewendungen gegen die Leute wenden: "Pest Control," "Manhunt," "Gristle Blower." Woher kommt dieses Spiel mit den Worten und wie viel schwere Arbeit nimmt euch am Ende des Tages ein guter Titel im Hinblick auf die Botschaft ab?
Matt: Das ist mein Lieblingsding, das er macht. Es kommt daher, dass er viel Rap und Hip-Hop hört und davon besessen ist, wie Wörter aussehen, klingen und zusammenpassen. Dane und ich versteifen uns beide darauf, bis hin dazu, wie die Songtitel nebeneinander aussehen, wenn wir die Reihenfolge der Tracks festlegen.
Ein eingängiger Titel oder Text zieht die Leute definitiv rein. Einen Titel wie "Lips & Assholes" zu sehen, ist irgendwie schwer zu ignorieren.
"Es gibt definitiv einen Grad an Misanthropie, der sich in dein Denken schleicht, wenn du in der Tierbefreiung aktiv bist"
Anne: Eure Lyrics werden als "outwardly anti-human," also offen menschenfeindlich, beschrieben. Ist das wirklich so, wie du es siehst, oder ist es eher ein Mittel, um die Leute eine Weile in dem Unbehagen sitzen zu lassen?
Matt: Es ist beides. Es gibt definitiv einen Grad an Misanthropie, der sich in dein Denken schleicht, wenn du in der Tierbefreiung aktiv bist. Die Dinge, die Menschen wehrlosen Tieren antun, sind einfach furchtbar. Es ist schwer, uns nicht alle dafür zu verurteilen, dass wir dazu beitragen. Aber es geht auch mit der Wut der Musik einher und damit, dieses Unbehagen als Weg zu nutzen, um die Leute mit ihren eigenen Entscheidungen zu konfrontieren.
Anne: Matt, du meinst, dass die neue Platte vielfältiger, aber auch düsterer geworden ist. "To The Grave ohne Überdenken oder Entschuldigung." Wozu hat dich das Loslassen des Zweifelns diesmal befreit?
Matt: Was witzig ist, ist, dass ich das einfach so rausgehauen habe, ohne wirklich darüber nachzudenken. Aber nachdem ich eine Weile damit gesessen habe, glaube ich, dass das Fehlen der "Entschuldigung" der wichtige Teil ist. Wir haben die Richtungen der vorherigen drei Platten kombiniert; manche Leute mögen nur eine davon, also hoffen sie vielleicht auf eine besonders eindeutige Richtung. Das sind aber einfach nicht wir; wir drängen immer davon weg, uns zu sehr zu wiederholen oder uns zu sehr auf einen Sound festnageln zu lassen. Diesmal haben wir uns wohl einfach freier gefühlt, diese Elemente stattdessen zu kombinieren.
Anne: Ihr seid 2019 aus einer fast dreijährigen Pause zurückgekommen und in der Szene neben Größen wie Thy Art Is Murder und The Red Shore nach oben geschossen. Was hat bei der Rückkehr geklickt, das vor der Pause nicht da war?
Matt: Ich war während dieser Pause nicht in der Band, aber ich habe drumherum weiter mitgewirkt. Ich glaube, das Größte, was aus dieser Zeit kam, war der Luxus der Zeit. Es gab keine Erwartungen; alle sind irgendwie davon ausgegangen, dass die Band tot war. Manchmal kann Zeit aber auch ein Problem sein; schnell zu arbeiten hat seine eigenen Vorteile. Man muss entschlossen sein, statt einfach über den Dingen zu brüten. Ich hoffe, wir bekommen mehr Zeit für die nächste Platte; ich glaube, wir haben sie uns mit dem Tempo verdient, das wir die letzten Jahre draufhatten.
Anne: Was steht als Nächstes an?
Matt: Wir haben noch ein paar Termine auf dieser australischen Headline-Tour, dann geht es direkt in die nordamerikanische Co-Headline-Tour mit Crown Magnetar für den Rest von September und Oktober. Liberation Front erscheint am 2. Oktober; ich freue mich riesig, dass alle die ganze Platte zu hören bekommen.
Anschließend haben wir dann hoffentlich ein bisschen Zeit zum Ausruhen.
Anne: Vielen Dank, dass du meine Fragen beantwortet hast! Es war mir eine Freude! Alles Gute für eure Tour!
Matt: Danke dir! War toll, mit dir zu reden!
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