Pam Risourié – "I'll Never Be Human"
Vorschau zum zweiten Album

Morgen ist ein besonderer Release-Freitag, denn Pam Risourié veröffentlichen ihr heiß ersehntes zweites Album "I'll Never Be Human". wenn ihr das Pariser Projekt also bereits bei ihrem Debüt "days of distortion" ins Herz geschlossen habt, könnt ihr euch freuen.
Schon 2024 habe ich hier geschrieben, dass Pam Risourié keinem Hype hinterherlaufen, sondern etwas komplett eigenes erschaffen haben (/2024/04/pam-risourie-days-of-distortion). Das ist der Band mit "I'll Never Be Human" wieder gelungen. Während "days of distortion" offen und verspielt wirkte, legen Sie mit der Platte nochmal einen Gang zu.
Zwischen Shoegaze, Post-Rock und Slowcore

Pam Risourié ist es erneut gelungen, einen introspektiven und Bogen zwischen Shoegaze, Post-Rock und Slowcore zu spannen. Diese Band ist genau darum so toll, weil sie sich keinem Genre verschreibt. Während man beim Debüt noch Einflüsse von Sonic Youth, Slowdive und My Bloody Valentine erahnen konnte, wird Pams Handschrift auf "I'll Never Be Human" deutlich hörbarer und prägnanter und ich feiere das beim Hören sehr. Die Band wird mit jedem Song unverwechselbarer und da passt ihr Hinweis darauf, dass die Platte für sie ihre "definitive signature" ist tatsächlich perfekt. Beim ersten Hördurchgang werdet ihr sehr schnell merken, warum. Die krassen Klangwände, die schwebend wirkenden Melodien und die alles umrankende Melancholie fühlen sich an wie ein perfekter Ausflug in eine neue musikalische Welt. Und mal ehrlich: Genau so sollte ein Album doch sein, oder?
Peter Deimel hat die Platte gemeinsam mit Pam Risourié in seinem Black Box Studio aufgenommen. Gemischt und produziert hat die Band gemeinsam mit Astrel_k von Ulrika Spacek. Ihre Feinarbeit steht Pam gut zu Gesicht, denn "I'll Never Be Human" klingt wunderbar menschlich, kleinteilig und herzenswarm an.
Ab jetzt ohne Spotify

Zum Erscheinen des Albums wählten Pam Risourié einen ganz besonderen Schritt und entfernten von heute auf morgen ihre komplette Musik von Spotify. Sie schlossen sich damit der immer lauter werdenden Bewegung aus unabhängigen Künstler*innen an, die dieses Jahr bereits vom Musik-Streaming-Dienst verabschiedet haben. Die Gründe dafür sind vielseitig und reichen sogar weit über das eigentliche Thema der Plattform hinaus. Spotify bekleckerte sich zuletzt mit hundertmillionenschweren Investitionen der Konzernspitze in militärische KI nicht unbedingt mit Ruhm. Hinzu kommen die erschreckend geringen Ausschüttungen an die Menschen, die ihre Musik über Spotify zur Verfügung stellen. KI-generierte Massenware sorgt zudem dafür, dass echte, handgemachte Musik immer mehr verdrängt wird 1.
Der Albumtitel liest sich auf den ersten Blick möglicherweise etwas trotzig vor diesem Hintergrund. Doch beim Hören wird schnell klar, dass die Entscheidung, es "I'll Never Be Human" zu nennen, vielmehr aus der Überzeugung entsprungen ist, diesem Gegner aktivistisch entgegenzutreten. Ihn mit Kreativität zu besiegen. Ein schöner Gedanke, oder? Besonders gut gefällt mir auch der Aspekt, dass sich Pams Einstellung selbstverständlich auch unter den Fans herumspricht. So profitieren auch andere Bands von ihrem Aktivismus, indem sich mehr Menschen ihre Musik über Bandcamp anhören und ihre Vinyls kaufen.
Menschlich, frei und wunderbar
Auch die einzelnen Stücke laden dazu ein, das eigene Handeln einfach mal wieder zu überdenken. "Who am they, who are I" erinnert zum Beispiel daran, dass Identität nichts Festgefahrenes ist, sondern offen und fließend und sich immer weiter entwickeln kann. Menschlich und frei und wunderbar. Pam Risourié fordern ihre Zuhörer*innen sanft dazu auf, ihre Schubladen zu verlassen und sich mit Individualität der Kälte und Distanz da draußen entgegenzusetzen. "I'll Never Be Human" ist daher vor allem eins: Ein Aufruf zu mehr Menschlichkeit.
"Moth" und "You Are the Sound" jetzt schon hören
Das komplette Album gibt es morgen, die beiden vorausgekoppelten Singles "Moth" und "You Are the Sound" könnt ihr jetzt schon hören, ich verlinke sie euch unten. Sie sind der Vorgeschmack auf vierzig zauberhafte Minuten Pam Risourié. "I'll Never Be Human" erscheint bei Stellar Frequencies (FR) und Shoredive Records (UK). Atypeek Music kümmert sich um den Vertrieb. Die Band feiert ihren Release gemeinsam mit crushingswans und Yumi Jun bei einem Auftritt im Le Chinois in Montreuil bei Paris.
Tracklist "I'll Never Be Human"
- "I'll Never Be Human"
- "Immer"
- "Moth"
- "Sunds"
- "Reborn"
- "Who am they, who are I"
- "Quicksands"
- "You, the Drug and the Rain"



