Alexander Schweitzer

Der neue Arbeitsminister lebt vegan

Alexander Schweitzer
Bild/Picture: © OlafKosinsky, Wikimedia Commons, 27. August, Alexander Schweitzer SPD MdL Rheinland-Pfalz

Seit dem 13. Oktober 2026 sitzt im Bundeskabinett, soweit ich weiß, der erste Minister, der vegan lebt. Alexander Schweitzer (SPD) übernahm nach dem Rücktritt von Bärbel Bas das Ministerium für Arbeit und Soziales. Ich habe mir angeschaut, wie er selbst über seine Ernährung spricht und wie sein neues Ministerium mit der Fleischindustrie zu tun hat.

Alexander Schweitzer wurde am 17. September 1973 in Landau in der Pfalz geboren. Er ist seit 1989 Mitglied der SPD. In Rheinland-Pfalz war er zweimal Landesminister für Arbeit und Soziales, zuletzt von 2021 bis 2024. Danach war er bis 2026 Ministerpräsident, und seit dem 13. Oktober 2026 ist er Bundesminister für Arbeit und Soziales .

Wer ist Alexander Schweitzer?

Bei der Landtagswahl im März 2026 verlor die SPD mit ihm als Spitzenkandidaten die Regierung an die CDU und Gordon Schnieder. Mit 25,9 Prozent holte sie ihr bislang schlechtestes Ergebnis in Rheinland-Pfalz .

Auch abseits der Politik gibt es ein paar schöne Details. Schweitzer ist der Sohn eines Binnenschiffers. So kam es dazu, dass er seine ersten sechs Lebensjahre auf einem Schiff verbrachte. Der Politiker ist Fan des 1. FC Kaiserslautern und laut dpa gehört Musik zu seinen Hobbys. Er ist Fan von Oasis und hat damit offenbar etwas mit seinem Parteigenossen Lars Klingbeil gemeinsam. Dieser spielte unter anderem bereits in der Show "Erkennst DU den Song? LIVE" das Stück "Wonderwall" auf seiner Gitarre .

Falls ihr euch das gefragt habt: Mit Albert Schweitzer, dem Arzt, Theologen, Philosophen und Friedensnobelpreisträger aus dem Elsass, ist Alexander Schweitzer weder verwandt noch verschwägert. Zumindest ist keine Verbindung zu ihm bekannt. Sein Nachname ist einfach nur relativ verbreitet. Ein schöner Zufall bleibt die Gemeinsamkeit natürlich trotzdem. Albert Schweitzers Leitsatz war die "Ehrfurcht vor dem Leben", und nach ihm ist die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt benannt, die sich vor allem für Tiere in der Landwirtschaft einsetzt .

Alexander Schweitzer lebt seit 2016 vegan

Ihr kennt diese Situationen sicher alle von Grillfesten oder Betriebsfeiern. Alexander Schweitzer kennt sie aus dem Fußballstadion. Bei Spielen des FCK verzichtet er auf die Stadionwurst, die für viele Fans dazugehört. Ich habe mich sofort gefragt, ob es auf dem Betzenberg keine vegane Stadionwurst gibt. Vegane Alternativen zum Fleisch hat der FCK nach eigenen Angaben jedenfalls im Angebot . Dass Alexander Schweitzer vegan wurde, fiel zufällig ins selbe Jahr, in dem er als SPD-Fraktionschef die erste Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz mit aushandelte .

Wie es dazu kam, erzählte er unter anderem dem Mainzer Portal Merkurist. Schweitzer stammt aus einer Familie, in der Fleisch zu jeder richtigen Mahlzeit dabei war. Sein Umstieg begann mit persönlicher Neugierde:

"Ich habe es als Experiment begonnen und bin einfach dabeigeblieben.",

Seitdem verzichtet er nach eigenen Angaben ohne Ausnahme auf tierische Produkte. Später kamen ethische Gründe dazu. Er nennt Tierrechte und seine Tierliebe. Wird ihm bei Terminen etwas Nicht-Veganes angeboten, lehnt er dankend ab. Inzwischen steht dort aber oft ohnehin etwas Veganes bereit, und das hat gar nichts mit ihm zu tun .

Häufig zitiert wird auch ein Satz aus einem Interview mit der Illustrierten Bunte:

"Ich möchte nicht, dass Tiere für mein Essen sterben."

Im selben Atemzug sagte er, dass er jedem seinen Saumagen gönne, die pfälzische Spezialität, die schon Helmut Kohl als Leibspeise angab .

Vom Veganismus will Alexander Schweitzer trotzdem niemanden überzeugen. Seine Devise lautet "Leben und leben lassen". Das ZDF nennt ihn einen veganen Pragmatiker und den einzigen bekannten Spitzenpolitiker in Deutschland, der sich vegan ernährt .

Alexander Schweitzer ist kein veganer Aktivist

Aus Alexander Schweitzers Zeit als Ministerpräsident ist keine politische Initiative bekannt, die sich aus seiner veganen Lebensweise ableiten ließe. Anders als ein gewisser fleischliebender Politiker aus Bayern postet er auch keine Fotos von seinem Essen in den sozialen Medien. Ob er der erste vegane Bundesminister überhaupt ist, lässt sich nicht sicher sagen. Niemand hat die Ernährungsgewohnheiten früherer Kabinettsmitglieder protokolliert, und es gab bisher keine Berichte über vegan lebende Mitglieder. Der frühere Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, früher Bundeslandwirtschaftsminister und seit Mai 2026 Ministerpräsident von Baden-Württemberg .

Alexander Schweitzer und die Jagd

Ende Februar 2026 betonte Alexander Schweitzer als Ministerpräsident vor dem Bauern- und Winzerverband die Bedeutung der Landwirtschaft für Rheinland-Pfalz. Den Weidetierhalter*innen, die sich wegen Wolfsrissen Sorgen machen, schenkte er ein offenes Ohr. Das Land müsse sich darauf vorbereiten, die Möglichkeiten nach der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz umzusetzen .

Aus veganer Sicht überrascht mich das ein wenig, denn der Politiker war zu dieser Ankündigung keineswegs verpflichtet. Der Bundestag nahm den Wolf erst am 5. März ins Jagdrecht auf . Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch wenige Wochen bis zur Landtagswahl am 22. März.

Seit April 2026 gilt das neue Bundesjagdgesetz. Befindet sich der Wolf in einem günstigen Erhaltungszustand, muss die zuständige Behörde einen Managementplan aufstellen, und nur dann darf er vom 1. Juli bis zum 31. Oktober gejagt werden . Für die Umsetzung sind die Länder zuständig, und im Jagdwesen dürfen sie eigene, vom Bund abweichende Regeln erlassen . Wie weit man dabei gehen sollte, war selbst in Schweitzers eigener Regierung umstritten. Das grün geführte Umweltministerium unter Katrin Eder kritisierte den Bundesentwurf scharf, unter anderem weil schon ein wirtschaftlicher Schaden als Grund für einen Abschuss reichen sollte, während das EU-Naturschutzrecht einen ernsten Schaden verlangt .

Auch beim Landesjagdgesetz lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Während Alexander Schweitzers Zeit als Ministerpräsident beschloss die Ampel-Koalition ein neues Landesjagdgesetz, gegen das die Jägerschaft heftig protestierte. Nach Angaben der Polizei kamen 3.500 Menschen zu einer Kundgebung vor dem Landtag. Das Gesetz enthält unter anderem ein generelles Verbot tierschutzwidriger Methoden bei der Ausbildung von Jagdhunden .

Nach der verlorenen Wahl führte Schweitzer für die SPD die Koalitionsverhandlungen mit der CDU. Auf Grundlage dieses Koalitionsvertrags soll ein neues Jagdgesetz das Ampel-Gesetz ablösen, bevor es überhaupt in Kraft tritt. Der Entwurf der neuen Agrar- und Umweltministerin Christine Schneider (CDU) würde die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Enten wieder erlauben und prüfen lassen, ob dies tierschutzgerecht möglich ist. In Rheinland-Pfalz leben derzeit übrigens 13 erwachsene Wölfe .

Wie Alexander Schweitzer persönlich zur Jagd steht, hat er bisher nicht öffentlich gesagt. Zumindest habe ich dazu keine Aussage gefunden. Wie die Jagd in Deutschland geregelt ist und wer dabei wen reguliert, könnt ihr in der großen Sounds-Vegan-Jagdrecherche nachlesen.

Was hat das Arbeitsministerium mit Schlachthöfen zu tun?

Alexander Schweitzer ist als Arbeitsminister nicht für den Tierschutz zuständig. Sein Ministerium hat über das Arbeitsschutzkontrollgesetz, das als Reaktion auf die Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen im Jahr 2020 eingeführt wurde, dennoch mit der Fleischindustrie zu tun. Seit dem 1. Januar 2021 dürfen Betriebe beim Schlachten, Zerlegen und in der Fleischverarbeitung keine Werkvertragsbeschäftigten mehr einsetzen, seit April 2024 ist dort auch Leiharbeit vollständig verboten .

Im Januar 2026 bestätigte das Bundesverfassungsgericht das Werkvertragsverbot. Der Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten wiegt nach Ansicht der Richter*innen schwerer als die Berufsfreiheit der Betriebe . Das Gesetz schreibt zudem vor, dass die Arbeitsschutzbehörden der Länder ab 2026 jedes Jahr mindestens fünf Prozent aller Betriebe besichtigen .

Auch wenn es sich ganz sicher nicht um ein Tierschutzgesetz handelt, zeigt es, dass sich das Arbeitsministerium auch mit den Zuständen in der Fleischindustrie beschäftigen muss. Für Tierschutz und Landwirtschaft bleibt jedoch der Agrarminister und Metzgermeister Alois Rainer von der CSU zuständig. CSU-Chef Markus Söder, der fleischliebende Politiker aus Bayern von weiter oben, kündigte bei Rainers Vorstellung 2025 an, es gebe jetzt "wieder Leberkäs statt Tofu-Tümmelei" .

Vegan ist auch im Bundeskabinett angekommen

Alexander Schweitzer lebt seit rund zehn Jahren vegan und spricht offen darüber, ohne dabei zu versuchen, andere auf seine Seite zu ziehen. In seinem Ressort Arbeit und Soziales warten jedoch mit der Rentenreform auch völlig andere Aufgaben auf ihn. Sein Beispiel zeigt vor allem, wie sehr Veganismus inzwischen in der Mitte der Gesellschaft und damit auch im Bundeskabinett angekommen ist.

Fußnoten

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