Weltvegantag 2026

Mehr Fleisch auf dem Teller und Wunsch nach mehr Tierschutz?

Weltvegantag 2026
Bild/Picture: © Storme22k, Pixabay

Am 1. November ist Weltvegantag. Pünktlich dazu zeichnen neue Zahlen ein widersprüchliches Bild. In Deutschland wird wieder mehr Fleisch gegessen, vor allem Geflügel. Gleichzeitig wünscht sich eine große Mehrheit mehr Tierschutz, auch unter den Menschen, die Fleisch essen. Ich habe mir die aktuellen Daten angeschaut und erkläre euch, was dahintersteckt. Außerdem geht es darum, warum pflanzlich einkaufen inzwischen oft günstiger ist.

Was ist der Weltvegantag?

Den Weltvegantag gibt es seit 1994. Die britische Vegan Society hat ihn damals zu ihrem 50-jährigen Bestehen ins Leben gerufen. Er eröffnet außerdem den World Vegan Month, der den ganzen November über dauert. In Deutschland fällt der Weltvegantag auf Allerheiligen und 2026 zudem auf einen Sonntag. Ich finde das ziemlich passend. An einem ruhigen Sonntag im November haben viele Zeit, sich in die Küche zu stellen und etwas Neues auszuprobieren.

Der Fleischkonsum steigt wieder

Ich hätte euch an dieser Stelle gern von einem weiteren Rückgang berichtet. Laut vorläufigen Berechnungen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft haben die Menschen in Deutschland 2025 jedoch im Schnitt 54,9 Kilogramm Fleisch gegessen. Das sind 1,4 Kilogramm mehr als im Vorjahr und der dritte Anstieg in Folge . Den größten Anteil daran hat Geflügel. Mit 14,7 Kilogramm pro Kopf erreichte der Verzehr ein Allzeithoch, vor allem Hähnchenfleisch landete häufiger im Einkaufswagen. Als Gründe nennt das BZL die wachsende Beliebtheit von Geflügel und die vergleichsweise geringen Preissteigerungen.

Der Deutsche Tierschutzbund nimmt den Weltvegantag zum Anlass, für pflanzliche Ernährung zu werben. Dr. Isabel Knößlsdorfer, die beim Verband für das Thema Veganismus zuständig ist, nennt den steigenden Fleischkonsum aus Tierschutzsicht ein alarmierendes Zeichen .

Beim Geflügel lohnt sich ein genauerer Blick, besonders bei den Puten. Über ihre Haltung habe ich hier auf Sounds Vegan schon mehrfach berichtet. Im April entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass die freiwilligen Eckwerte der Branche kein Maßstab für eine tierschutzgerechte Putenhaltung sind. Dennoch gibt es bis heute keine verbindlichen Haltungsvorgaben für Puten. Zehn Verbände, darunter der Tierschutzbund und die Albert Schweitzer Stiftung, forderten die Bundesregierung deshalb am 26. Oktober dazu auf, die Putenhaltung endlich in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zu regeln . Mit Martinstag und Weihnachten stehen jetzt die Wochen bevor, in denen besonders viel Geflügel auf den Tisch kommt.

Tierschutz ohne Veganismus?

Die zweite Zahl, über die man nachdenken sollte, stammt von der Tierschutzorganisation Humane World for Animals . Sie schlüsselte ihren Tierschutz-Barometer 2026 zum World Vegan Month nach Ernährungsweise auf. Für die repräsentative Umfrage befragte das Institut Ipsos im Januar 2026 mehr als 1.500 Erwachsene. Rund 80 Prozent von ihnen gaben an, alles zu essen. Für 77,8 Prozent dieser Allesesser*innen ist Tierschutz wichtig oder sehr wichtig. Zwei Drittel wünschen sich ein vollständiges Ende der Käfighaltung, und 63,3 Prozent würden eine höhere Steuer auf Fleisch aus schlechter Haltung unterstützen, wenn das Geld in bessere Ställe fließt .

In mir löst das gemischte Gefühle aus. Es freut mich, wie breit der Wunsch nach Tierschutz in der Gesellschaft verankert ist. Gleichzeitig steigt der Fleischkonsum jedoch im selben Land. Zwischen dem, was sich Menschen wünschen, und dem, was am Ende im Einkaufswagen landet, klafft offenbar noch eine ziemlich große Lücke.

Ein kleines Detail am Rande kommt aus Berlin. Seit Mitte Oktober ist Alexander Schweitzer Bundesminister für Arbeit und Soziales. Er lebt seit 2016 vegan und ist laut ZDF der einzige bekannte vegane Spitzenpolitiker in Deutschland .

Veganes Einkaufen spart inzwischen Geld

Seit ich vegan lebe, höre ich immer wieder, dass es teuer wäre, sich vegan zu ernähren. Bei Ersatzprodukten war da sogar lange etwas dran. 2022 kostete ein pflanzlicher Warenkorb im Supermarkt laut ProVeg noch 52 Prozent mehr als sein tierisches Gegenstück. In der Preisstudie 2025 war er zum ersten Mal im Schnitt 5 Prozent günstiger. Für die Studie verglich ProVeg im August 2025 die Preise in 153 Filialen von acht Handelsketten. Am größten war der Preisvorteil bei Lidl mit 18 Prozent, nur bei Netto zahlte man für die pflanzliche Variante noch 11 Prozent mehr. Pflanzendrinks waren bei allen acht Händlern günstiger als Kuhmilch. Frischkäse, Fischstäbchen und Joghurt gab es dagegen nirgends pflanzlich billiger als tierisch .

Lesetipp: Welche Fleischbezeichnungen pflanzliche Produkte ab 2029 nicht mehr tragen dürfen, habe ich euch übrigens vor ein paar Tagen ausführlich aufgeschrieben. Die komplette Übersicht könnt ihr kostenlos hier checken.

Übrigens: Falls euch bei der nächsten Familienfeier wieder jemand fragen sollte, woher ihr eigentlich euer Eiweiß bezieht, habe ich ein neues Argument für euch. Der Verhaltensforscher Chris Macdonald von der Universität Cambridge, Gründer des Better Protein Institute, hat 20 eiweißreiche Lebensmittel bewertet. Dabei ging es darum, wie sie sich auf Umwelt und Gesundheit auswirken und wie bezahlbar und verfügbar sie sind. Tofu kam mit 36 von 40 möglichen Punkten auf Platz eins. Alle Lebensmittel im besten Fünftel waren pflanzlich, alle im schlechtesten Fünftel tierisch . Macdonald nennt seinen Score selbst eine erste Version, die er weiterentwickeln will. Die Preise hat er zum Beispiel nur bei einer britischen Supermarktkette erhoben. Für das Gespräch am Familientisch reicht es trotzdem.

Was kann ich am Weltvegantag tun?

Vegan leben hört nicht beim Essen auf. Darauf weist zum Weltvegantag auch Dieter Ruhnke hin, der Vorsitzende des Landestierschutzverbands Niedersachsen. Tierische Bestandteile stecken in vielen Alltagsprodukten, etwa Talg in Weichspüler oder Gelatine in Haarpflege. Auch beim Klären von Wein kommen oft tierische Proteine zum Einsatz. Vegane Alternativen zu wählen, sei laut Ruhnke "weder anstrengend noch teuer oder gar ein Verzicht" .

Mein Vorschlag für den Weltvegantag ist ganz einfach. Kocht etwas Pflanzliches, das ihr noch nie gemacht habt, und ladet jemanden dazu ein, der sonst eher selten vegan isst. Wenn euch ein Tag dafür zu kurz ist, habt ihr mit dem World Vegan Month den ganzen November Zeit.

Fazit: Was für eine widersprüchliche Zeit

Der Weltvegantag 2026 fällt in eine widersprüchliche Zeit. Die meisten Menschen in Deutschland wünschen sich mehr Tierschutz, und trotzdem wird wieder mehr Fleisch gegessen. Immerhin ist der Weg vom Wunsch zum Einkaufswagen kürzer geworden. Pflanzliche Produkte sind in vielen Supermärkten inzwischen günstiger als tierische, und Tofu steht in einem Proteinranking aus Cambridge ganz oben. Ich wünsche euch einen schönen Weltvegantag und einen genussvollen November.

Fußnoten

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