Skånes stille Elektrizität
"Lava" von Andreas Tilliander erscheint am 1. Juli

Andreas Tilliander hat sein neues Album fertig. Es erscheint pünktlich zum Start des heißesten Monats auf quiet details und passt perfekt in diesen Sommer. Es erzählt Geschichten von dem was war, dem was ist und dem was sein wird. Was untendrunter schlummert und pulsiert erscheint klarer und heller als je zuvor.
Während ich hier sitze und schreibe, steht die Luft. Wir stecken inmitten einer der heißesten Juni-Phasen der Messgeschichte, mit Wüstentagen, tropischen Nächten und Temperaturen, die im Südwesten an der 40-Grad-Marke kratzen. Ohne Aussicht auf ein Ende und auf Abkühlung. Die Fachleute sprechen von einer womöglich historischen Hitzewelle samt Trockenperiode. Das alles ist längst kein Ausreißer mehr, sondern genau das, was die Klimakrise Sommer für Sommer mitbringt. Die Hitze, die uns umgibt wird schleichend zum Dauerzustand und während der Asphalt unter unseren Füßen schmilzt und unsere Nächte immer schwitziger werden, verschiebt sich etwas, das wir nicht mehr aufhalten können.
Heiß, urgewaltig und dramatisch gespannt auf das Ungewisse, das da vor uns liegt: So klingt "Lava" von Andreas Tilliander. Es splittert und kracht, die tektonischen Platten verschieben sich und die Lava sprudelt hervor. Sie dringt durch gläserne Schichten und undurchsichtige Betonkonstrukte, umspült den Rest Natur und reißt unsere Zivilisation gnadenlos mit sich.
Und dabei glüht diese Lava nicht. Sie sickert ein, entspannt und kühlt. Sie ist klar ruhig und leuchtet Stellen aus, auf die sonst kein Licht fällt, nicht mal in den hellsten und brennendsten Momenten.
Andreas Tilliander auf quiet details

Andreas Tilliander zählt seit den späten Neunzigern zu den prägenden Stimmen der elektronischen Musik. Mit Alben wie "Cliphop" auf Raster-Noton und "Ljud" auf Mille Plateaux hat der Schwede den "clicks & cuts"-Sound mitgeformt, 2005 gab es dafür einen Swedish Grammy. Unter eigenem Namen und als Mokira, TM404 oder Rechord erscheint seine Musik seit Jahren auf Labels wie Kontra Musik, Acid Test und seinem eigenen Repeatle. Jetzt ist er bei quiet details angekommen, mit "Lava".
Und das mit dem Ankommen meine ich hier wörtlich. Andreas selbst beschreibt seine neue Platte als
"An exploration of southern Sweden—light, memory, and open landscapes". ("Eine Erkundung Südschwedens, von Licht, Erinnerung und weiten Landschaften.")
Field Recordings aus Skåne
Viele seiner Field Recordings hat Andreas Tilliander in seiner Geburtsstadt Hässleholm aufgenommen. Wenn ihr "Lava" hört, hört also auch die Felder und Straßen, die den Künstler geprägt haben. In den Liner Notes zum Album schreibt er:
"Recorded primarily with samplers, some shitty synthesizers, field recordings from Hässleholm, old VHS tapes, and the quiet electricity of Skåne" ("Aufgenommen vor allem mit Samplern, ein paar miesen Synthesizern, Field Recordings aus Hässleholm, alten VHS-Kassetten und der stillen Elektrizität Skånes.")
Was daraus entstanden ist, bewegt sich zwischen analoger Wärme und digitalem Grit. Die Songs wirken mal hell und durchscheinend, mal dunkel und versunken und stets perfekt reflektiert und ausgeglichen. Genau die Kühle und Klarheit, die draußen gerade fehlt bringt euch diese Platte mit. Es lohnt sich also ganz gewaltig, sie anzuhören. Andreas Tillianders Schlusszeile bleibt hängen:
"I feel crystal clear." ("Ich fühle mich glasklar.")
Ich durfte "Lava" vorab hören, und ich kann Euch sagen: Mit diesem Album könnt ihr euch getrost für eine entspannte Weile in eine kühle Ecke zurückziehen und ein Getränk eurer Wahl mit viel Eis genießen. "Lava" erscheint am 1. Juli 2026 bei quiet details, als CD und digital. Die physische Edition kommt im sechsseitigen Digipack mit separatem Fine-Art-Print, und auf der CD gibt es zusätzlich einen durchgehenden Long-Form-Mix des Albums. Gemastert hat Alex in den quiet details studios.
Hier könnt ihr Andreas Tilliander auf Bandcamp besuchen. Dort findet ihr ab dem 1. Juli auch "Lava".



