We Lost The Sea & Overhead, The Albatross live @Hafenklang Hamburg
Das Meer versinkt, und niemand weint ihm nach

Das Hafenklang ist kein Bugsierschiff. Es ist ein Zerstörer. Doch selbst dem konnten We Lost The Sea am 14. Mai standhalten. Sie ließen ihn ganz nonchalant untergehen.
Wenn ihr schon länger auf Sounds Vegan stöbert, wisst ihr: We Lost The Sea sind für mich keine neutrale Angelegenheit. Ihr kennt unter anderem meine Interviews mit Mark Owen, Gitarrist des australischen Post-Rock-Projekts (2021 hier und 2025 hier) und wisst, wie wichtig mir die Band ist. Als er mich fragte, ob ich im Hafenklang vorbeikommen würde, habe ich natürlich nicht mal eine Sekunde lang überlegt. Natürlich würde ich mir die Show der "A Single Flower"-Europatour anschauen!
Vor dem Konzert hatte ich noch kurz die Gelegenheit, Mark zu treffen. Mitten im Tourgewimmel und kurz vor dem großen Höhepunkt auf dem DUNK!festival 2026 freute er sich auf den Auftritt in der Hansestadt und war gespannt, was Hamburg dieses Mal so zu bieten hat.
Overhead, The Albatross
Übrigens hatte Mark auch für die Vorband, Overhead, The Albatross ausschließlich lobende Worte übrig. Bevor die Australier die Bühne betraten, gehörte den Iren die Bühne und sie wärmten sie standesgemäß auf. Sie taten das mit einer Wucht, dass wirklich kein Kopf ruhig blieb. Alles nickte und tanze und schwang mit im spektakulären Rhythmusrausch, den diese Band zu bieten hat. Ganz ehrlich? Das war mehr als "nur" Vorprogramm. Wow! OTA spielten mit einer Intensität, die den Raum langsam enger werden lässt. Nicht auf eine bedrohliche Weise, sondern so, als würde der Sound die Luft einfach auffressen. Nicht nur ich war sprachlos. So ging es gefühlt dem gesamten Publikum im ausverkauften Club. Besonders groß: "Your Last Breath". Die persönlichen Erfahrungen, die sich hier erahnen lassen, haben sicher allen einen den ein oder anderen Schauer über den Rücken gejagt und dank der Videoprojektion sicher auch einigen Anwesenden liebevolle Erinnerungen zurückgebracht.
We Lost The Sea
Dann, endlich, We Lost The Sea. Als das Licht erlosch, wurde es plötzlich still. Studiostill. Samtig still. Erwartungsvoll. Verzaubert. Gebannt. Alle schauten auf den Bühnenaufgang. Bis Mark still die Bühne betrat und das Konzert eröffnete.
Nach zahlreichen Versuchen in diese Richtung stelle ich immer wieder fest: Was diese Band live macht, lässt sich kaum in Worte fassen. Auch das im Juli 2025 erschienene fünfte Studioalbum von We Lost The Sea, "A Single Flower" haut nochmal ganz anders rein, wenn man es zuvor ausschließlich in den eigenen vier Wänden gehört hat. Im Hafenklang passierte etwas mit diesen Stücken: Die Musik hörte auf, ein Album zu sein und wurde zu einem Erlebnis.
"A Single Flower" blüht im Hafenklang auf
Alle Musiker bedienten ihre Instrumente wie gewohnt, als wäre jeder Ton, jeder Akkord und jeder Takt eine ganz persönliche Angelegenheit. Doch da war noch etwas mehr dabei. Eine weitere Schicht, die sich nur erspüren lässt, wenn man ganz genau hinhört und das Bild als Ganzes betrachtet. Wer dabei versucht, es zu betreten und darin aufzugehen, hat es erfasst.
We Lost The Sea füllten den alten Zerstörer in der großen Elbstraße 84 mit einer Energie, die den Raum um uns herum irgendwann einfach auflöste. Da waren nur noch die Musik, das Licht, wir und das Gefühl, dass hier gerade etwas Besonderes passiert. Etwas ganz Besonderes.
Was ein Abend! Leider musste ich früher gehen, als ich wollte, da meine Hündin zu Hause auf mich wartete. Ich hätte dieser Band noch so lange zuhören können. Und trotz der Eile zum Ende hin und der traurigen Tatsache, dass ich durch meinen eiligen Aufbruch nicht mehr mit der Band auf ein Bier gehen konnte, werde ich dieses Konzert noch lange mit mir tragen.
Danke an We Lost The Sea für "A Single Flower", an Mark für die Einladung an Hamburg für das Hafenklang und an die Menschen im Club für die gute Stimmung. Und nochmal eine Umarmung an Mark. Danke für das Gespräch. Ich hoffe, ihr kommt bald wieder und ich schaffe es nächstes Jahr, endlich wieder aufs DUNK! zu fahren!



