Goblyns über ihr neues Album "Three Sisters"
"Die sagenumwobenen Hexen aus einem Dorf am Ostkapp"

Gerade mal sieben Monate ist es her, seit ich zuletzt mit Goblyns über ihr Album "Hunki Bobo" gesprochen habe, das sie am 17. Mai 2024 veröffentlichten. Und nun ist es wieder so weit: Die Band aus Amsterdam/Berlin hat gerade ihr neues Album aus dem Studio mitgebracht – es erscheint am 13. Juni. Ich habe mit Goblyns über "Three Sisters" gesprochen.
Anne: Hi! Schön, wieder mit Euch zu sprechen! Wie geht es Euch?
Gio: Hey! Uns geht's gut, danke. Wir freuen uns alle riesig auf die Veröffentlichung der neuen Platte und die anstehenden Shows und Tourneen. Es ist eine großartige Zeit, am Leben zu sein. Wie geht es Dir, Anne?
Anne: Danke, dass Du fragst! Mir geht's gerade richtig gut. Ich bin so froh, dass endlich Frühling ist! Und dann gibt es auch noch neue Goblyns Songs! Glückwunsch zu Eurem neuen Album "Three Sisters"!
Liam: Vielen Dank! Wir können es kaum erwarten, dass es endlich rauskommt. Wir sitzen jetzt schon gefühlt eine Ewigkeit darauf.
Anne: Ihr seid ziemlich produktiv. War es von Anfang an Euer Plan, so schnell nach "Hunki Bobo" ein neues Album zu veröffentlichen?
Frank: Ja!
Anne: Die Antwort kam schnell! Neben der Tatsache, dass Ihr jetzt zum Teil Lyrics ("No Words") in Euren Songs habt – was hat sich seit "Hunki Bobo" noch verändert?
Liam ist nach Berlin umgezogen
Liam: Unser Songwriting-Prozess hat sich ein wenig verändert. Ich bin inzwischen nach Berlin gezogen, sodass ich jetzt viel mehr Zeit mit Frank mit Schreiben verbringen kann. Bei "Hunki Bobo" hatte ich dagegen mehr Zeit mit Gio zusammen. Wir versuchen eigentlich immer, neue Klänge zu erschaffen. Deshalb ist es schwer zu sagen, was genau sich verändert hat – es fühlt sich eher so an, als würden wir mit jedem Song weiterentwickeln.
Anne: Wer sind die drei Schwestern?
Frank: Sagenumwobene Hexen aus einem Dorf am Ostkapp, die sich in riesige Felsformationen hinter den Dünen verwandelt haben – als Opfergabe zum Schutz vor der wilden See.
Anne: Das klingt super spannend! Und es perfekt zu den Geschichten, die Ihr mit Euren Songs erzählt. Eure Musik ist von großartigen psychedelischen Bands wie The Grateful Dead und dem späten 60er-Jahre-San-Francisco inspiriert. Ist das auch die Inspiration für eure Aufnahmesessions? Ich stelle mir das als große Jam-Sessions vor...
Gio: Ja, lustigerweise bist Du nicht die Erste, die uns während der Komponier- und Aufnahmephase als "jammende" Band sieht. Aber offen gesagt ist das ziemlich weit von der Realität entfernt. Wir arbeiten in einem ziemlich strukturierten Format. Da wir nicht alle in der gleichen Stadt leben, müssen wir unsere Songs mit festen Teilen aufbauen, um gut vorbereitet zu sein, wenn wir uns dann als komplette Band treffen. Ich glaube, das ist ein ziemlich einzigartiger Prozess. Und wenn wir dann endlich gemeinsam in einem Raum sind, fühlt sich das sehr explosiv an. Außerdem nehmen wir immer erst selbst Demos auf (sehr DIY-mäßig daheim) und erstellen eine gemeinsame Playlist mit Songs, die uns inspirieren – zusammen mit unserem geschätzten Produzenten André (Leo). So versuchen wir, uns so gut wie möglich auf die eigentlichen Studioaufnahmen vorzubereiten.
Anne: Wenn man nach dem Genre geht, neigten Bands in den 70er- und 80er-Jahren dazu, ihre Songs länger zu machen als in den frühen Jahren. Bleiben wir mal bei The Grateful Dead: Anfangs hielten sie ihre Songs relativ kompakt ("The Golden Road [To Unlimited Devotion]", "Beat It On Down The Line"). Zwischen 1971 und 1979 wurden sie dann 15 bis 30 Minuten lang und entwickelten sich zu Jams ("Playing in the Band", "Eyes of the World", "Scarlet Begonias -> Fire on the Mountain"). Zwischen 1980 und 1995 wurden sie wieder kürzer, obwohl es weiterhin 20- bis 30-minütige Jams gab. Habt Ihr vor, auch in diese Richtung zu gehen und ein Album mit so langen, erzählenden Songs zu machen? Oder ist das eher eine Sache für Eure Live-Auftritte?
"Gegen Ende des Jahres wird etwas Spannendes passieren!"
Liam: Wir versuchen oft, unsere Songs länger zu machen, aber da wir nicht so oft gemeinsam schreiben können, ist es ziemlich schwierig, das richtige Gefühl dafür zu bekommen. Am Ende landen sie dann immer bei etwa vier Minuten.
Anne: Apropos Live-Shows: Neues Jahr, neues Album – wann geht Ihr wieder auf Tour?
Frank: Du hast den falschen Goblyn gefragt. Aber ich habe gehört, dass gegen Ende des Jahres etwas Spannendes passiert!
Anne: Die Songs auf "Three Sisters" sind sehr abwechslungsreich – was mir richtig gut gefällt. Ich musste das Album mehrfach hören, um herauszufinden, welcher Song mich am meisten anspricht. Ich mag "Auftauchen" sehr. Er ist so schön entspannt, melodisch und verspielt. Ich werde richtig glücklich, wenn ich ihn höre. Möchtet Ihr mir die Geschichte dahinter erzählen?
"Wir lieben es zu experimentieren"
Gio: Wir haben kaum bis gar keine Grenzen, was die Art der Songs angeht, die wir schreiben. Wir lieben so viele verschiedene Musikstile und möchten uns nicht selbst in eine Schublade stecken oder unsere Freiheit einschränken, zu experimentieren und uns auszudrücken. Es soll für uns und hoffentlich auch für unsere Hörer*innen spannend bleiben. Es freut mich sehr zu hören, dass "Auftauchen" Dich glücklich macht – uns macht es auf jeden Fall glücklich, das Stück zu spielen. Ich würde nicht sagen, dass hinter dem Song eine besonders bewusste Geschichte steckt. Aber im großen Ganzen verkörpert er ziemlich gut, wer wir als einzelne Musiker*innen und als Band sind.
Anne: Was habt Ihr heute noch vor?
Goblyns: Tagträumen.
Anne: Danke für das Gespräch und dass Ihr so viele Einblicke in "Three Sisters" mit mir geteilt habt. Es war mir eine Freude! Alles Gute für Eure Pläne – wir sprechen uns bestimmt bald wieder!
Goblyns: Danke für das Interview!